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Die gesamtwirtschaftliche Notwendigkeit des Leichtbaus wurde vom Firmengründer früh erkannt. Bereits unmittelbar nach dem Studium wurde die gleichnamige Vorlesung an der Universität Stuttgart betreut. Gleichwohl war ein Interesse von Seiten der Industrie zu dieser Zeit nicht erkennbar.

Wissenschaftler oder Unternehmer

Oder beides, denn das eine schließt das andere nicht aus! Geschuldet der Erkenntnis, dass sich Neues in etablierten Institutionen nur schwer umgesetzen läßt, wird aus einem Wissenschaftler quasi zwangsläufig ein Unternehmer. Zumal oftmals die Ziele der Etablierten nicht erkennbar sind, resp. ob überhaupt Ziele existieren.

Adäquate Beschäftigungsmöglichkeiten

Das "Musterländle" Baden-Württemberg leistet sich ein millionenschweres Prestigeprojekt mit der Ausbildung von Ingenieuren der Luft- und Raumfahrttechnik im Rahmen einer eigenen Fakultät. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern ist die zugehörige Branche wirtschaftlich vergleichsweise unbedeutend. Insbesondere im Flugzeugbau sind die zugehörigen Firmen nicht (mehr) vorhanden. Der letzte, am Bodensee ansässige Flugzeugbauer wurde erst von einem großen Stuttgarter Automobilkonzern übernommen und anschließend abgewickelt.

Zweifellos besteht immer die Möglichkeit zum Zwecke des Broterwerbs irgendwo irgendeinen Job als Ingenieur auszuüben. Hier stellt sich nicht nur die Frage nach dem Sinn. Vielmehr mußte man auch erkennen, dass man bei Personalverantwortlichen in Firmen für "einfache Ingenieurstätigkeiten" gar nicht berücksichtit wird. Konsequenterweise hat man das Schicksal selbst in die Hand genommen. Man hat sich auf eigene Fähigkeiten besonnen um damit eine sinnvolle, qualifizierte und nachhaltige Beschäftigung zu generieren.

Bereits im Alter von 21 Jahren wurde vom Firmengründer ein eigenes Surfbrett entwickelt, in der heimischen Garage gebaut und auf Starkwindrevieren wie dem Gardasee erprobt. Dagegen ist ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart in der Regel ebensowenig zielführend, wie im vorliegenden Fall die darauf folgenden wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Hyperschall-Reentry-Technologie (Faserkeramik für Hitzeschilde).

Nach diversen Industrietätigkeiten und anderer Aktivitäten einschließlich eines kreativen Sabbaticals folgte endgültig der Schritt in die Selbstständigkeit - verbunden mit dem Gedanken sich mit eigenenen Produkten direkt am Markt zu positionieren.

Die Gründung einer Kapitalgesellschaft (GmbH) erfolgte 2006, also vor der Wirtschafts- und Finanzkrise. Hintergrund war die Option Finanzinvestoren wie z. B. Business Angels an den für Entwicklung und Produktion der Carbonräder notwendigen Kosten zu beteiligen.

Die Standortfrage

In Sachsen-Anhalt sollte eine Produktion von Carbonrädern aufgebaut werden, darum wurde die Firma dort gegründet. Trotz einer hervorragend ausgebauten Verkehrsinfrastruktur leiden große Teile Ostdeutschlands auch über 20 Jahre nach der Wiedervereinigung unter grundlegenden strukturellen Problemen. Die Rahmenbedingungen und das Umfeld sind für eine Firmenansiedlung sehr wichtige Faktoren.

Während sich Architekten und Stadtplaner wirtschaftsstarker Regionen wie dem Großraum Stuttgart Gedanken machen müssen über eine "Verdichtung" der Bevölkerung in Wohngebieten, stehen im Osten nicht nur teilweise riesige Gewerbeareale, sondern auch nach der Wende mit Steuergeldern aufwändig sanierte Gebäude leer. Die Verantwortlichen in den Verwaltungen und in der Kommunalpolitik müssen sich fragen lassen, wie sie sich denn die Zukunft ihrer Region vorstellen. Ob nicht wenigstens eine Renaturierung sinnvoll ist, d. h. seit Jahrzehnten brach liegende Gewerbeobjekte abreißen und als Agrar- /Solarflächen nutzen oder wenigstens ordentliche Bäume pflanzen. Wenige positive Beispiele sind u. a. ehemalige Militärflugplätze, deren Flächen nun mit Solarmodulen belegt werden.

Die Klagegesellschaft

Gegenseitiges Vertrauen bildet die Basis der sozialen Marktwirtschaft. Durch den gesellschaftlichen Wertewandel, mit zunehmender materieller Absicherung auf höchstem Niveau, werden Konkurrenten frühzeitig unter Druck gesetzt. In weiterer Folge übernehmen Richter das Kommando der Wirtschaft. Sie entscheiden u. a. über Schadensersatzforderungen, Firmenübernahmen und damit letztendlich über die Existenz von Firmen und den handelnden Personen. Ebenso wie auf Hoher See befindet man sich allein in Gottes Hand.

Als Schiffsführer ist man für die Mannschaft und das Schiff verantwortlich. Ob Sturm oder Flaute - alternativlos ist das Durchhalten auf dem Atlantik oder im Mittelmeer, um letztendlich in den sicheren Hafen einzulaufen.