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Im Spannungsfeld zwischen menschlicher Neugierde und dem Drang nach technischem Fortschritt einerseits sowie dem Bedürfnis nach Sicherheit durch die Bewahrung konservativer Werte andererseits, erfordern Innovationen oftmals einen langwierigen Prozess der Vertrauensbildung. Lediglich etwa 1% des Aufwands entfallen auf die eigentliche Idee, der Rest besteht aus Arbeit, Disziplin und Beharrungsvermögen.

Erst durch die kommerzielle Verwertung wird eine Idee zur Innovation. Quasi zum "Nulltarif" hat es Innovationen niemals gegeben und wird es wohl auch in Zukunft nicht geben. Neben der notwendigen Risikobereitschaft benötigen Neuent- wicklungen in der Anfangsphase, vergleichbar der regelmäßigen Bewässerung von Keimlingen und frisch gepflanzten Gewächsen, eine sehr intensive Betreuung. Denn auch der kräftigste Baumstamm, der Stürmen widersteht, hatte seinen Ursprung in einem winzigen Sprößling.

Carbon, d. h. kohlefaserverstärkter Composite-Kunststoff ist unter den bisher bekannten Strukturwerkstoffen mit Abstand der leichteste. In der Luft- und Raumfahrt, der Fahrzeugtechnik oder in der Sport- und Freizeitbranche hat sich dieser Werkstoff bereits vielfach bewährt. Will man insbesondere im Automobil- und Flugzeugbau konsequenten Leichtbau betreiben und damit nachhaltig Treibstoffverbrauch und CO2-Emissionen reduzieren, so führt langfristig kein Weg am Einsatz von Carbon-Composites vorbei.

Räder für Kraftfahrzeuge sind auch heute noch eine Markt- und Technologielücke. Eine Räderentwicklung ist aus Sicht des Ingenieurs eine sehr interessante und anspruchsvolle Aufgabe. Bei nüchterner Betrachtung überfordert sie jedoch eine Ein-Mann-Firma sowohl finanziell, als auch hinsichtlich des Arbeitsumfangs. Behörden (Verkehrsministerium, Kraftfahrt- bundesamt) und Motorsportverbände (FIA, DMSB) blockieren Carbonräder durch ihre Reglements und durch fehlende Zulassungsrichtlinien. Obwohl eigens eine Kapitalgesellschaft gegründet wurde, beteiligen sich unter diesen Umständen weder Banken, noch Privatinvestoren an einer solchen Entwicklung.

Die aktuellen Aktivitäten fokusieren sich auf die Entwicklung von Strukturbauteilen (technisches Carbon) für branchen- übergreifende Anwendungen. Schwerpunkt sind wirtschaftliche Fertigungsverfahren und die Orientierung an den Bedürfnissen der regionalen Wirtschaft. Die Räderentwicklung kann in einem zweiten Loop im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten fortgeführt werden.

Erst im Stadium der Reife offenbart das Gute seinen wahren Wert. Eine Firmengründung ist grundsätzlich positiv zu bewerten; nicht nur für den Gründer selbst, sondern im Sinne des Wettbewerbs innerhalb der Wirtschaft. Gleichwohl werden Pionier- unternehmer bekanntermaßen zunächst als störend empfunden.

Die Sicherung des gesamtgesellschaftlichen Wohlstands einer modernen Industriegesellschaft erfordert die tägliche Erwerbs-arbeit ebenso wie die schöpferische Pionierleistung bei der Durchsetzung von Innovationen. Nach der christlichen Soziallehre hat der mit Fleiß und Geschick agierende Unternehmer durchaus das Recht Gewinne zu erwirtschaften. Wer mit sozialer Verantwortung im Wirtschaftsleben eigennützige materielle Ziele verfolgt, dient zugleich dem Gemeinwohl.

Nachhaltiges unternehmerisches Handeln durch Sparen und Investieren hält den Wirtschaftskreislauf am Leben, sorgt für Wachstum, Beschäftigung und damit für gesamtgesellschaftliche Wohlstandsmehrung. Lediglich neuzeitliche Exzesse hochspekulativer Börsengeschäfte wecken das Verlangen nach einer Ächtung von Zins und Wucher (mittelalterliches Zinsverbot der katholischen Kirche).

Die erfolgreiche Arbeit an Zukunftstechnologien manifestiert sich im Spannungsfeld zwischen staatlicher Förderung einerseits und der Anwendung zum Nutzen der Wirtschaft andererseits. Gerade Schlüsseltechnologien erfordern den intensiven Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Netzwerke und Cluster sind hilfreich und werden sinnvollerweise mit Fördermitteln anfinanziert.

Die Luft- und Raumfahrttechnik kann bei richtiger Koordination einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung von Schlüssel- technologien leisten. Hier verbergen sich in Baden-Württemberg ungenutzte Potenziale. Die Diskrepanz zwischen staatlich geförderten Großprojekten und wirtschaftlicher Nutzung ist evident.